Für immer
Antonie Hertlein stellt ein Freundschaftsbuch für Trauernde zusammen.

Das gemeinsame Erinnern und Sprechen über einen verstorbenen Menschen ist für Trauernde wie Balsam auf die Seele. Mit diesem Freundschaftsbuch gelingt es leichter, (wieder) in ein solches Gespräch einzusteigen und die Erinnerungen auch schriftlich festzuhalten: Was hat diese Person geliebt, was war ihr wichtig? Worüber haben wir gemeinsam gelacht? Was hat uns verbunden? Die hier gesammelten Fragen beleuchten Kindheit, Jugend und Erwachsenenleben. Aus den vielen kleinen Erinnerungen von Freunden, Verwandten, Nachbarn oder Arbeitskolleginnen entsteht so das Mosaik eines vergangenen Lebens, das den Trauerprozess langfristig begleiten kann und hilft dabei, mit Trauernden in Kontakt zu bleiben und Sprachlosigkeit zu überwinden. Für Hinterbliebene sind die Erinnerungen in "Für immer - Das Freundschaftsbuch für Trauernde" von Antonie Hertlein ein bleibendes Geschenk, insbesondere wenn sie als Kind ein Elternteil verloren haben.
Interview mit der Autorin
Liebe Antonie, du hast mit dem Titel „Für immer“ eine ganz neue Idee entwickelt: ein Freundschaftsbuch für Trauernde. Was ist das genau?
Dieses Freundschaftsbuch ist dafür gedacht, gemeinsam die Erinnerungen an einen verstorbenen Menschen festzuhalten. Das Neue daran ist der gemeinschaftliche Aspekt. Viele Ausfüllbücher zur Trauerbewältigung sind so konzipiert, dass eine trauernde Person für sich allein schreibt und gestaltet. Dazu wollte ich eine Alternative bieten, weil das gemeinsame Erinnern eine besondere Kraft hat und weil gegenüber Trauernden oft eine merkwürdige Sprachlosigkeit herrscht. Die Fragen und Gestaltungsmöglichkeiten in meinem Buch unterstützen dabei, im Kontakt zu bleiben und über das gemeinsame Erzählen und Schreiben die verstorbene Person immer wieder ins Gespräch zu bringen.
Wie bist du auf die Idee gekommen, so ein Freundschaftsbuch zu machen?
Nach dem Tod meines Mannes wollte ich für unsere Söhne Erinnerungen zusammentragen und bewahren. Schnell war klar, dass nicht nur ich, sondern auch andere Menschen etwas über ihn zu erzählen haben und dass es sehr tröstlich ist, diese Erinnerungen zu hören und zu lesen. Selbst kleinste Begebenheiten sind wie Schätze.
Als ich in meinem Umfeld darum bat, Erinnerungen aufzuschreiben, habe ich gemerkt, dass dieses Schreiben für viele gar nicht so einfach ist. Daraus entstand die Idee, mit verschiedenen Fragen eine Struktur vorzugeben, die das Erinnern anregt und die man als „Geländer“ benutzen kann. Daraus ist schließlich dieses Buch entstanden.
Für wen ist das Buch gedacht und wer kann dort etwas eintragen?
Das Buch ist gedacht für nahe Zugehörige. Sie können ihre eigenen Erinnerungen in das Buch eintragen und es dann in Umlauf bringen. Oder sie können sich das Buch samt erster Einträge schenken lassen und daran weiterschreiben. Im ersten Teil gibt es Fragen, die man auch sehr gut in einer Gesprächsrunde beantworten kann. Der zweite Teil ist für besonders nahestehende Menschen gedacht, die ausführlicher erzählen möchten. Die Fragen im Buch beleuchten Kindheit, Jugend und Erwachsenenleben. Es gibt auch Platz für Fotos und freies Gestalten.
Warum sind Erinnerungen so wichtig in der Trauer?
Wenn ein Mensch stirbt, entsteht eine Lücke. Für die nahen Zugehörigen ist diese Lücke im Alltag permanent schmerzlich spürbar. Vielleicht können wir durch das Erinnern mit der Zeit eine Art Brücke über dieses „Loch“ weben, die das Vergangene mit dem Heute verbindet und uns Kraft gibt für den Weg, den wir allein weitergehen. Erinnerungen sind Teil unserer Lebensgeschichte und verbinden uns über den Tod hinaus. Sie sind das, was wir festhalten können, wenn ein Mensch geht – ein Anker. Wenn ich andere über den geliebten Menschen sprechen höre, fühle ich mich als Trauernde nicht so allein. Das Erzählen gibt den Toten einen Platz in unserer Mitte und gleichzeitig schafft es auch eine Verbundenheit zwischen den Lebenden.
Wie kann man das Buch langfristig nutzen?
Selbst Jahre oder Jahrzehnte nach einem Tod lassen sich noch Erinnerungen sammeln und weiterschreiben. Man kann an Jahrestagen gemeinschaftlich in dem Buch lesen – und es schließlich an nachfolgende Generationen weitergeben, die darin etwas über ihre Wurzeln erfahren.
Wie kann man über das Buch hinaus mit trauernden Menschen in Kontakt bleiben?
Es gibt viel Berührungsangst und Unsicherheit: Wie soll man mit Trauernden umgehen? Was kann man sagen oder tun, ohne etwas falsch zu machen? Ich möchte dazu ermutigen, im Gespräch zu bleiben, die Toten nicht auch noch totzuschweigen. Für Trauernde sind sie immer präsent. Zu hören, dass andere auch an sie denken, tut gut.
Für die Lebenden darf das Leben weitergehen, auch wenn es um die Lücke herum ganz neu sortiert werden muss. Wir können fragen: Hättest du Lust auf dies oder das? Ich komm mal vorbei, kann ich etwas für dich tun? Ich weiß nicht, was dich trösten könnte, aber ich bin jetzt einfach mal da. Ich halte deine Tränen aus und du darfst auch mit mir lachen, wenn dir danach ist.

