"Gott allein" genügt nicht - Gott nur ist genug. Das "Nada te turbe" der Teresa von Ávila

Münsterschwarzacher Kleinschriften

"Gott allein" genügt nicht - Gott nur ist genug. Das "Nada te turbe" der Teresa von Ávila
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    91 Seiten, broschiert, 10,5 x 18,5 cm, Münsterschwarzacher Kleinschriften Band 195
  • 978-3-89680-595-9
Als Teresa von Ávila am Abend des 4. Oktober 1582 verstarb, fand man in ihrem Brevier das... mehr
Erklärt die bekanntesten Worte der Teresa von Avila

Als Teresa von Ávila am Abend des 4. Oktober 1582 verstarb, fand man in ihrem Brevier das neunzeilige Gedicht Nada te turbe (Nichts ängstige dich), das heute unter anderem als Taizé-Lied weltweit gesungen wird. Der letzte Satz „Solos Dios basta“, übersetzt „Gott allein genügt“, wurde zu einem der bekanntesten Worte der christlichen Spiritualität.

Je nach Betonung dieses Schlussverses kann man ihn aber auch missverstehen: Wollte Teresa von Ávila wirklich sagen, dass der Mensch außer Gott nichts braucht? Was hat sie mit diesen Worten wiklich gemeint?

Der Karmelit Reinhard Körner geht in diesem Buch der Frage nach, wie Teresa selbst den Vers verstanden hat und wie es zu der missverständlichen Interpretation gekommen ist.
Und so kann dieser Vers, richtig verstanden, zu einem Leitwort für unsere Gesellschaft und Kirche heute werden.

Weiterführende Links zu ""Gott allein" genügt nicht - Gott nur ist genug. Das "Nada te turbe" der Teresa von Ávila"
Vorwort »Gott allein genügt.« So steht es auf Spruchkarten und... mehr

Vorwort
»Gott allein genügt.« So steht es auf Spruchkarten und Andachtsbildchen, in zahlreichen Büchern und Zeitschriftenartikeln, zugeschrieben der heiligen Teresa von Ávila. So war es auch vier Jahrzehnte lang im GOTTESLOB zu lesen, und so steht es im SCHOTT-MESSBUCH in den Einführungstexten zu Teresas jährlichem Gedenktag am 15. Oktober. So ist es immer wieder in Predigten zu hören und in geistlichen Vorträgen.
Aber kann wirklich Gott allein genügen? Darf uns Christen Gott allein genügen? Wollte Teresa von Ávila wirklich sagen, dass der Mensch außer Gott nichts braucht? Oder haben wir sie falsch verstanden? Was aber hat sie dann mit diesem Wort tatsächlich gemeint?
Im Jubiläumsjahr Teresas – sie ist die Gründerin des Ordens, dem ich angehöre – bin ich diesen Fragen einmal nachgegangen.
Karmel Birkenwerder, zum 500. Geburtstag der hl. Teresa von Ávila am 28. März 2015 Reinhard Körner OCD


Eine populäre, aber missverständliche Übersetzung
Wohl kein Wort aus der Geschichte der christlichen Spiritualität ist heute im deutschen Sprachraum so bekannt wie Teresas »Gott allein genügt«. Den Suchergebnissen im Internet zufolge übertrifft es im Bekanntheitsgrad sogar die ignatianische Formel »Gott in allen Dingen finden«. Doch während Letztere in der christlichen Welt – und darüber hinaus – allgemein Zustimmung findet, löst das »Gott allein genügt« bei nachdenklichen Zeitgenossen Unbehagen aus. So beklagte zum Beispiel die Hamburger Hispanistin Erika Lorenz (gestorben 2003) im Teresa-Jahr 1982 anlässlich des
400. Todestages der Heiligen, dass man aus dem »verführerisch schön klingenden ›Gott allein genügt‹« nur allzu leicht eine »heils-egoistische Bedeutung« heraushören könne und ja auch herausgehört habe.
 
In der Tat: Der Aussagesinn dieser karmelitanischen Formel ist nicht eindeutig. Unser Sprachempfinden lässt unterschiedliche Deutungen zu.
 
Je nachdem, wie man sich in den kleinen Satz hineindenkt und hineinfühlt, ja, schon wie man die einzelnen Wörter betont – »Gott allein genügt« oder »Gott allein genügt« oder »Gott allein ge¬nügt« –, kann man ihn im Sinne einer theozentrischen, zutiefst biblischen Spiritualität verstehen, aber auch »heils-egoistisch« verstehen: so, als ginge es im religiösen Leben vor allem um die Frage, was mir genügt, was mir »Erfüllung« gibt.
Und man kann diese Formel, spiritualitätstheologisch gesprochen, »dualistisch« verstehen. Das dürfte das häufigste Missverständnis sein. Man kann heraushören, alles andere als Gott habe den Menschen nicht zu interessieren; um in Ganzhingabe an Gott leben zu können, müsse der Christ – zumindest innerlich – »die Welt verlassen« und dürfe nichts und niemandem im Herzen Raum geben außer Gott. Gott allein also müsse ihm genügen. Ein geradezu klassisches Missverständnis im Frömmigkeitsleben, nicht zuletzt auch in den Orden! Eine solche Zuflucht zu Gott aber wäre nichts anderes als Flucht vor Gottes Welt und vor Gottes Men¬schen, eine Missachtung des Schöpfers der Welt.
Deutungen dieser Art, ob heilsegoistisch oder dualistisch, entsprechen jedenfalls weder dem Denken und der Erfahrung Teresas noch ihrem Lebensbeispiel. Sie widersprechen auch jeder authentisch¬christlichen Mystik überhaupt und letztlich dem Lebensbeispiel Jesu selbst.
Inzwischen ist wiederholt darauf hingewiesen worden, auch in der neuen deutschen Gesamtausgabe der Werke Teresas, dass es sich bei dieser
 
Formel – so die Herausgeber P. Ulrich Dobhan und Sr. Elisabeth Peeters aus dem Teresianischen Karmel, dem Orden Teresas – um eine »populäre, aber missverständliche Übersetzung« handelt; sie kann zum Beispiel suggerieren, so merken sie an, »dass der Mensch außer Gott nichts bräuchte«.3 – Das Unbehagen besteht zu Recht.
Wie ist es zu dieser »missverständlichen Übersetzung« gekommen? Dem will ich hier einmal nachgehen, verbunden mit der Frage nach der Herkunft und dem Kontext des spanischen Originals. Auch wenn ich damit den Leserinnen und Lesern einen etwas längeren Gang durch die Geschichte der Teresa-Rezeption im deutschen Sprachraum zumute – ich denke, die Mühe lohnt sich.
Im Anschluss daran möchte ich nach der eigentlichen und ursprünglichen Bedeutung dieses Wortes fragen. Und ich möchte zeigen, wie es jenseits aller möglichen Missverständnisse gerade heute zu einem wegweisenden Leitwort werden kann, zu einem prophetischen Impuls auch in die Situation hinein, in der sich Kirche und Gesellschaft gegenwärtig befinden.

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21.04.2015

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Zum Jubiläumsjahr der hl. Teresa von Avila hat der Verf. ein weiteres Büchlein in der o. g. Reihe herausgegeben. Er behandelt darin das weit bekannte geistliche Gedicht „Nada te turbe – Nichts soll dich ängstigen“, das man nach dem Tode der Heiligen in ihrem Brevier fand. In einer neuen Übersetzung ist es im neuen „Gotteslob“ (Nr. 8,5) zu finden. Es geht dem Verf. um die Frage: Ist dieses Gedicht so übersetzt, dass es das aussagt, was Teresa wirklich ausdrücken wollte, und so, dass es für den heutigen Gläubigen verständlich ist? Wie schon im Buchtitel erkennbar, geht es dabei auch um die letzte Zeile, die oft isoliert vom Gesamttext zitiert und leider meistens mit „Gott allein genügt“ übersetzt wird. In dieser Übertragung kann der Vers leicht falsch verstanden werden, nämlich als sei alles andere als Gott wertlos, oder auch als gehe es im religiösen Leben um das, was mir „Erfüllung“ gibt, was mir „genügt“.
Man folgt dem Verf. mit Interesse durch seinen Bericht, wie das Gedicht in die spanischen Ausgaben der Werke Teresas gelangte und schließlich – ab dem 19. Jahrhundert – auch in die deutschen Ausgaben. Der Verf. untersucht dann eingehend die vielen Versuche einer angemessenen Übersetzung, vor allem auch der letzten Zeile. Man spürt, wie er lange und tief in die Worte, die Teresa sich zusprach, hineingehört hat. So ist es ihm m. E. gelungen, nach gründlicher Überprüfung des „Urtextes“ und der vielen gut gemeinten, aber teilweise missverständlichen und unzureichenden Übersetzungen einen Text zu formulieren, der klar die Botschaft enthält, dass es darauf ankommt, Gott selbst zu suchen, nicht nur und zuerst seine Hilfe, seinen Trost und das Erfülltsein durch ihn (S. 71). Diese Botschaft muss auch aus dem letzten Vers heraushörbar sein, wenn man ihn denn isoliert vom Gesamttext als „spirituelles Leitwort“, als „Kurzformel geistlichen Lebens“ den Menschen an die Hand geben will. Der Verf. schreibt dazu: „Ich denke, die Übertragung des Schlussverses, die ich mir selbst zurechtformuliert habe, könnte diesem Anspruch Rechnung tragen: ‚Gott Seinetwegen lieben – erst das ist genug.’ Zumindest könnte sie verwendet werden, um die durchaus gute und treffende Übersetzung ‚Gott nur genügt’ oder ‚Gott erst genügt’ zu erläutern und verständlich zu machen. Diese Botschaft jedenfalls ist es wert, ein wegweisender Impuls zu werden – für das persönliche Glaubensleben wie auch für unser gemeinsames Christsein in der Kirche heute“ (S. 72). Mögen viele dankbare Leser sich davon überzeugen lassen.

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