Wie unantastbar ist die Würde des Menschen?

Ein Gastbeitrag unserer Autorin Corinna Kohröde-Warnken

Extreme Notlagen seien kein Anlass, Schwerstkranken todbringende Medikamente auszuhändigen – so lautet eine Anweisung des Bundesgesundheitsministeriums an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medikamente, wie Spiegel Online vergangenen Freitag berichtet. Damit wendet sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gegen ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Jahr 2017, das Todkranken ein selbstbestimmtes Sterben ermöglicht.

Darüber kann und darf jeder seine eigene Meinung haben.

In meinem neuen Buch „Als meine Sonne unterging. Der Suizid meines todkranken Mannes“ geht es genau um diese Fragestellung: Wer entscheidet über unser Leben und vor allem über sein Ende? Das Bundesgesundheitsministerium? Das Grundgesetz durch Artikel 1 „Die Würde des Menschen ist unantastbar“? Oder doch jeder für sich selbst?

Eine Antwort darauf ist schwierig und erst einmal nur in der Theorie möglich. Denn eine wirkliche Entscheidung kann man wohl nur treffen, wenn man sich in dieser Lage befindet – also in einer Situation, in der das Leben schwerer erscheint als der Tod.

Zugleich ist es auch eine Frage der gesellschaftlichen Verantwortung. Was können wir als Angehörige, als Freunde, als Nachbarn und auch als Gemeinschaft tun, damit sich Menschen für das Leben entscheiden? Welche Hilfen und Unterstützung können wir in Not geratenen Menschen anbieten, damit sie nicht vor Einsamkeit, vor Schmerzen, vor Angst zur Last zu fallen oder wegen mangelnder Pflegemöglichkeiten lieber den Tod als das Leben wählen?

Pia Hadleys Ehemann, Klaus, hat aus Angst vor einem leidvollen Leben als Pflegefall den Freitod gewählt – auf schreckliche Art und Weise. Seine Geschichte und besonders die seiner Ehefrau erzähle ich in meinem Buch. Es ist eine wahre Geschichte, die so oder ähnlich sicher kein Einzelfall ist.

Das Thema Suizid und selbstbestimmtes Sterben ist nach wie vor ein Tabu. Aus der durchaus berechtigten Furcht vor dem sogenannten Werther-Effekt* wird es im wahrsten Sinne des Wortes totgeschwiegen. Aber gemeinsame Antworten können nur gefunden werden, wenn wir darüber sprechen.

In den letzten Monaten macht sich eine Tendenz zur öffentlichen Diskussion bemerkbar, wie die Berichterstattung auf Spiegel Online zeigt. Mit meinem neuen Buch möchte ich zu dieser wichtigen Entwicklung beitragen.

*Als Werther-Effekt wird die Annahme bezeichnet, dass eine verstärkte Berichterstattung über Suizide auch eine erhöhte Suizidrate zur Folge hat.

Hier finden Sie den Beitrag auf Spiegel Online

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