Von einer, die auszog, übers Älterwerden zu reden

Was für eine schöne Überraschung. Zuerst die Nachricht, dass mein Buch übers Älterwerden – Sprudelndes Leben – strömende Zeit – ins Slowenische übersetzt wird. Dann die Einladung zur Buchmesse nach Ljubljana, wo Deutschland und Österreich in diesem Jahr die Gastländer waren.

Bereits am Flughafen zeigte sich Slowenien von seiner schönsten Seite. Strahlend blauer Himmel, Sonnenschein, schneebedeckte Berge. Was für eine Kulisse! Nicht weniger zauberhaft die Altstadt von Ljubljana, wo ich im City-Hotel untergebracht bin. Von hier aus unternehme ich sogleich einen ersten Streifzug durch eine der kleinsten, aber wohl charmantesten Hauptstädte Europas. Ich laufe über steinerne Brücken, gepflasterte, enge Gassen, bewundere die Architektur, die Kunst, die Lebendigkeit auf den Plätzen und besuche ein Caféhaus, in dem das 19 Jahrhundert weiterzuleben scheint.

Nach einem Stück "Cremeschnitte", so heißt es tatsächlich im Slowenischen, steht am Nachmittag ein Interview in der Hotelhalle auf dem Programm. Es findet auf Englisch statt. Wie gut, so mein erster Gedanke, dass ich die letzten Tage noch einige Vokabeln nachgeschlagen habe. Mitten im Gespräch über meine positive Einstellung zum Älterwerden fragt mich die Journalistin plötzlich, warum meine Haare nicht gefärbt seien, ein wenig Farbe würde mich doch um einiges jünger machen. Dass ich meine grauen Haare mag, scheint ihr unverständlich.

Am Abend holt mich Mojca Purger, eine Mitarbeiterin des Druzina Verlages, zu einem Jazz Konzert ins "Mini teater" ab. Während im Publikum verschiedene Sprachen miteinander konkurrieren, erklingt von der Bühne die wohl schönste und virtuoseste Sprache der Welt, die Musik. Gemeinsam mit den Künstlern des "Nenand Vasilic Trio" geht es anschließend zu einem Empfang in die Österreichische Botschaft, wo über das reiche Kulturleben der Stadt gesprochen wird.

Am nächsten Tag bin ich zu Gast auf der Buchmesse, die sich größer gestaltet, als ich es erwartet habe. Das erste, was ich am Stand höre, lässt mich aufatmen. Fürs halbstündige Interview vor Publikum bekomme ich eine Dolmetscherin an die Seite gestellt. Kaum sitzen wir gemeinsam auf dem Sofa und die ersten Fragen sind formuliert, werde ich erneut auf meine grauen Haare angesprochen. In Ljubljana sieht man das eher selten, erfahre ich. Und ein Blick ins Publikum gibt der zarten, auffallend blonden Interviewerin Recht. Irgendwie bin ich hier auf weiter Flur allein.

Während ich darüber rede, wie gutes Leben im fortgeschrittenen Alter funktioniert, die Anwesenden motiviere, über die so wichtige Kunst nachzudenken, Abwechslung in die anwachsende Zahl von Jahren zu bringen, bleiben auch jüngere Messebesucher stehen und hören zu. Für mich sind Lebensfreude und Dankbarkeit ein wahrer Jungbrunnen, erkläre ich auch ihnen und ernte Kopfnicken. Am Ende der Buchpräsentation Sprudelndes Leben, strömende Zeit – auf Slowenisch "Prekipevati od zivljenja" – steht eines fest: Auch hier, in dieser lebendigen, so jungen Stadt, die ihren dynamischen Lebensrhythmus den rund 50000 Studenten verdankt, ist Älterwerden ein Thema, das interessiert.

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  • das macht neugierig

    ein schöner Bericht, man möchte gleich nach Ljubljana reisen. wie erfreulich für Frau Urban!
    weiterhin alles gute, rose