Sein grünes Glück finden – auch auf kleinstem Raum

Im Garten sitzen, dem Vogelgezwitscher lauschen, sich die Sonne auf den Pelz brennen lassen, den Duft der warmen Erde einatmen und das Gras wachsen hören – für viele Menschen ist genau dies der Inbegriff puren Glücks und der Garten ihre Oase der Kraft und Erholung.

Dabei bedeutet Gärtnern oft Arbeit und nicht selten eine gewisse Anstrengung. Säen, umgraben, Unkraut jäten, die Ernte verarbeiten, hoffen, dass die Saat aufgeht – es gibt einfach zu jeder Jahreszeit viel zu tun. Denn ein Garten ist eben auch das: ständige Veränderung. Wie unser Leben unterliegt er einem Rhythmus des Entstehens und Vergehens, des Abschiednehmens und Neuwerdens.

Was wir von diesem Kreislauf lernen, welche spirituellen Impulse wir darin entdecken können und wie das sogar mit einem Minigarten gelingen kann, beschreibt Marlene Fritsch in ihrem neuen Buch „Mein grünes Glück“.

Wir hatten das (grüne?) Glück, die Autorin auf ein Gespräch im Klostergarten zu treffen.

Charlotte Künne: Liebe Marlene, Gärtnern und Glauben – auf den ersten Blick scheint beides nicht viel miteinander gemein zu haben. Wo siehst du die Verbindung?

Marlene Fritsch: Vielleicht nicht direkt Gärtnern und Glauben, aber das Leben im Rhythmus der Natur, das man als Gärtner eigentlich immer mit vollzieht, ist für mich so etwas wie ein immer wiederkehrendes Ostern. Vielleicht ist es sogar umgekehrt, und Ostern ist immer wieder ein Spiegel für das Wesentliche in der Natur: Das, was tot scheint, erwacht jedes Jahr nach dem Winter zu neuem Leben. Dann, wenn das Leben am Ende scheint, erfroren, abgestorben, wenn die Nacht am Dunkelsten ist, dann geschieht ein neues Werden. Erst unbemerkt und unsichtbar, aber irgendwann mit Macht und solcher Kraft, dass es nicht mehr aufzuhalten ist. Als Gärtner glaube ich an das Leben, an das Werden, auch im dunkelsten und kältesten Winter. Und ich kann darauf vertrauen, dass der Frühling kommen wird, dass nichts tot bleibt, sondern alles – vielleicht auch in neuer Form – wiederkommt.

CK: Durch das Werden und Vergehen ist der Garten also ein kleiner Spiegel für das Leben. Welche Weisheiten können wir denn in ihm entdecken?

MF: Da gibt es wirklich viel zu entdecken, und in dieser Hinsicht kann ich nur empfehlen, das Buch zu lesen. Aber etwas ganz Wesentliches hat Martin Kämpchen in die schönen Worte gefasst: „Welch eine Befreiung, dass das Wesentliche ohne uns geschieht! Wir umhegen und pflegen nur das Wunderbare.“ Mich lehrt mein Garten immer wieder, dass ich nicht alles „machen“ kann, dass ich es letztlich nicht in der Hand habe, ob etwas wächst oder nicht. Übertragen auf das Leben: Ich habe es letztlich nicht in der Hand, ob etwas gelingt oder nicht, ob etwas wird oder nicht. Ich kann für gute Bedingungen sorgen, aber ich brauche auch das große Vertrauen, dass das Wesentliche ohne mich geschieht. Die Dinge einmal sein zu lassen, damit sie werden können, das lerne ich von meinem Garten.

Und was mir jedes Jahr im Herbst wieder auffällt und ich mir in mein eigenes Stammbuch schreiben möchte: Eine Möhre schmeckt nicht schlechter, nur weil sie krumm gewachsen ist. Und ein Apfel, der reif vom Baum gefallen ist, ist nicht ungenießbar, nur weil er eine braune Stelle hat. Und deshalb ist auch eine Idee oder das Ergebnis meiner Arbeit nicht unbrauchbar, nur weil nicht alles perfekt ist daran. „Lebensapfelmus“ daraus kochen und mir damit den Tag versüßen – das wäre eine schöne Aufgabe für herbstliche, trübe Zeiten.

CK: Das Buch enthält viele tolle Anregungen rund ums Gärtnern. Wenn man aber nur einen kleinen Balkon oder gar nur ein paar Topfpflanzen auf einem Fensterbrett hat – kann man trotzdem das ‚grüne Glück‘ entdecken?

MF: Klar! Schon im ersten Kapitel des Buches heißt es: „Hauptsache grün, denn Glück ist keine Frage der Größe“. Nur weil ein Garten klein ist, macht er nicht weniger froh als ein fußballfeldgroßes Grundstück. Ich finde, es ist in jeder kleinen Hütte Platz für die Pflanzen, die einem selbst am Herzen liegen, die für einen selbst Glück bedeuten. Ich habe selbst inzwischen „nur“ noch einen Balkongarten. Aber wenn ich mit den Händen durch Basilikum, Thymian und Lavendel streichen kann, die in Töpfen wachsen, dann lässt mich der Duft der Pflanzen augenblicklich in den Süden reisen und macht die Gedanken grenzenlos. Ich glaube, dass es anderen Menschen ähnlich geht, nur mit ihren Pflanzen. Aber man kann es sich herrlich grün und herrlich weit im Kopf machen mit dem „Grün seines Herzens“ auf dem Balkon oder im Zimmer.

CK: Auch im Kleinen kann man großes Glück finden – was für ein schöner Gedanke. Begleitet dich die Liebe zum Garten schon lange?

MF: Ja, bereits als Kind. Wir hatten zu Hause einen großen Garten, den meine Eltern mit großer Hingabe und Mühe gepflegt haben. Aber für uns Kinder gab es darin auch immer einen Teil, in dem wir spielen und toben konnten. Es war also nie nur ein „Guckgarten“, in dem alles seine genaue Ordnung hatte und man den Rasen nicht betreten durfte. Für mich war es immer ein Ort, an dem ich mich einfach wohlfühlte und wo wir von den Erwachsenen in Ruhe gelassen wurden und für uns sein konnten.

CK: Und was gehört für Sie unbedingt in einen Garten?

MF: Inzwischen habe ich nur noch einen Balkongarten. Und in den gehören auf jeden Fall jede Menge Küchenkräuter wie Rosmarin, Basilikum, Thymian, Oregano, Schnittlauch usw. Die überwintern auch in Töpfen hinter der Fensterscheibe. Und ansonsten brauche ich möglichst viel Lavendel und einen Zitronenbaum. Wäre der Garten wieder etwas größer, würde ich gleich eine Zaubernuss pflanzen – dass sie mitten im Winter blüht, war für mich schon immer etwas Staunenswertes und Ausdruck meiner Hoffnung und meines Glaubens an das Leben. Und wenn er noch etwas größer wäre, wüsste ich wieder nicht, wo ich mit wünschen anfangen sollte.

Werfen Sie hier einen Blick ins Buch!

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