Ora et labora – mit Hammer und Meißel

Metall trifft auf Stein. Es klirrt. Rhythmisch. Mehrstimmig. In diesen Tagen hämmern sie wieder, die Teilnehmer von „Steinbildhauen und benediktinisch leben“. Seit fast 15 Jahren ist dieser Kurs fest im Programm des Gästehauses der Abtei Münsterschwarzach. Einer, der von Anfang an als Initiator dabei ist: P. Zacharias Heyes OSB. Zu diesem Zeitpunkt entdeckte er das Bildhauen für sich. Auf der Suche nach einem Künstler stieß er auf Bildhauer Thomas Reuter, der bereits in Klosternähe Kurse abhielt. Die Idee: Warum nicht also einen Bildhauerkurs im Kloster anbieten? Gemeinsam mit P. Meinrad Dufner OSB gestalten sie den zehntägigen Kurs.

Ein großer Erfolg. Die meisten der Teilnehmer sind Wiederholungstäter. Ein Fortgeschrittenenkurs mit technischen Feinheitserklärungen ist es aber nicht. „Der Kurs ist offen für Einsteiger und bereits Erfahrene“ heißt es im Programmheft der Abtei Münsterschwarzach. Viel wichtiger als Grundwissen in der Bildhauerei sei nämlich die eigene Kreativität, meint P. Zacharias. „Einfach anzufangen. Zu sehen, wie der Stein sich bearbeiten lässt. Werkzeug in die Hand und los. Und dann ergibt es sich.“ Er spricht aus Erfahrung.

Thomas Reuter stimmt ihm zu. „Richtig oder falsch gibt es nicht. Jeder kann hier so arbeiten, wie es ihm am besten passt.“ Tipps gibt er trotzdem, wenn er gefragt wird. Und das wird er von den Teilnehmern. „Leg das grade mal weg, arbeite zunächst an dem anderen weiter", rät er dann etwa. Oder: „Setz den Arm hier oben an, der kommt ja nicht aus dem Rücken.“ Auch P. Zacharias hämmert hochkonzentriert an seinem Stein. Natürlich nicht im Habit. Wer nicht weiß, dass er ein Mönch der Abtei ist, könnte ihn für einen der Kursteilnehmer halten.

Ora ...

Mittendrin ertönt ein Gong. Die Werkzeuge werden weggelegt. Stille. Einige Teilnehmer schließen die Augen, andere treten einen Schritt zurück und schauen sich ihren halbfertigen Stein an. Zur vollen Stunde ist es Zeit für das Stundengebet. Während die Mönche der Abtei ihre festen Gebetszeiten fünfmal am Tag haben, wird beim Kurs jede Stunde die Arbeit bewusst unterbrochen. Nichtsdestotrotz sind die Teilnehmer auch zu den Stundengebeten der Mönche eingeladen. Ora et labora. Durch kurzes Innehalten aus der Arbeit gerissen werden, sich Zeit zu nehmen für das Gebet. Benediktinisch leben.

... et labora

Im handwerklichen Tun verändert werden ist ein Prozess, der automatisch passiert. „Interessant ist ja nicht, wie ich den Stein verändere. Sondern wie der Stein mich verändert. Was er in mir an Gedanken anregt“, erklärt P. Zacharias. Wenn ein Stück abbricht – wie geht man etwa mit Brüchen im Leben um? So ergäben sich auch manchmal seelsorgerische Gespräche. Und vieles würden Teilnehmer auch mit nach Hause nehmen, meint der Mönch. Völlig in Ordnung. Es sind eben keine Exerzitien, sondern ein Handwerkskurs mit ganz bewusster Klosteranbindung.

Dieses Bewusstsein spiegelt sich auch in der Atmosphäre wieder. Neben hochkonzentriertem Arbeiten stehen immer wieder Teilnehmer zusammen und unterhalten sich. Über ihr Schaffen, über das Kloster, über dies und das. Beruhigt. Man duzt sich, schaut zwischendurch, was die anderen so machen. Entschleunigt. Die einen tragen Schutzbrillen, der nächste einen Mundschutz, wieder andere arbeiten sogar ohne Handschuhe. Schrammen bleiben bei solchen Handwerkstätigkeiten dann auch nicht aus. Dreck und Schweiß – gerade bei den derzeitigen Temperaturen über 30 Grad – sowieso nicht.

Und am Ende? Erst einmal werden die Werke im Gästehausgarten der Abtei ausgestellt. Am Sonntag, den 5. August, können diese ab dem Vormittag angeschaut werden. Der Garten ist öffentlich für Besucher zugänglich. Vielleicht kommt der ein oder andere Besucher am Sonntag im kommenden Jahr als Teilnehmer wieder.

Autorin: Julia Martin

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