Br. Ansgar Stüfe OSB – der Verlagsleiter als Arzt, der Arzt als Verlagsleiter

Das neue Jahr bringt für den Vier-Türme-Verlag große Veränderungen: Unser langjähriger Leiter, Br. Linus Eibicht, zieht sich aus gesundheitlichen Gründen aus dem Verlagswesen zurück. Seine Nachfolge übernimmt nun Br. Ansgar Stüfe OSB. Was Bücher für ihn bedeuten, und worauf er sich als Verlagsleiter besonders freut, verrät er im Gespräch.

Charlotte Künne: Lieber Br. Ansgar, so manchem Leser dürfte Ihr Name bereits vertraut sein: Sie sind ja schließlich Autor im Vier-Türme-Verlag. Doch nicht nur das! Sie waren auch lange als Arzt in Tanzania und Uganda tätig, und haben als Missionsprokurator die internationalen Projekte der benediktinischen Kongregation betreut. Dafür sind Sie weitgereist und waren wohl eher in der Welt Zuhause als in der Abtei Münsterschwarzach. Ihre Heimat ist allerdings Franken, nicht wahr?

Bruder Ansgar: Genau. Geboren wurde ich im schönen Bad Mergentheim und Franken blieb auch die prägende Landschaft meiner Kindheit und Jugend. Im Dorf Sonderhofen, im Ochsenfurter Gau, verbrachte ich meine Kindheit, weil mein Vater dort Lehrer war. Das Gymnasium besuchte ich in Lohr am Main und dann in Würzburg. Hier studierte ich Medizin und schloss 1978 das Studium mit der Approbation zum Arzt ab. Die Zeit kurz nach meinem Studium wurde dann zum Wendepunkt in meinem Lebens: Ich entdeckte meine Lebens-Berufung und trat 1979 ins Kloster Münsterschwarzach ein. Meine berufliche Laufbahn setzte ich von nun an als Mönch fort.

CK: Ihr Eintritt ins Kloster war aber nicht der einzige Wendepunkt in Ihrem Leben. Mit Ende 20 wurden Sie als Missionar nach Peramiho, Tanzania, ausgesandt…

Br. Ansgar: Dort sollte ich die Leitung des großen Krankenhauses übernehmen – wofür ich zunächst erst einmal in London das Diplom für Tropenmedizin erwerben musste. 1987 war es schließlich soweit: Ich trat meine neue Aufgabe als Missions- und Chefarzt an.

CK: Das war sicherlich ein großer Schritt für Sie.

Br. Ansgar: In der Tat. Es war vor allem aber eine spannende und wirklich herausfordernde Zeit. Es ging ja nicht nur um die tägliche Patientenbetreuung. Ich war auch für die Ausbildung und Leitung der vielen Mitarbeiter sowie für den Aufbau und Erhalt der verschiedenen Stationen zuständig. Erst als ich sicher war, dass genug einheimisches Personal da war, um den Fortbestand des Krankenhauses zu sichern, verließ ich im Jahr 2003 Tanzania.

CK: Es ging für Sie also zurück in die alte Heimat?

Br. Ansgar: Noch nicht ganz. In Deutschland angekommen begleitete ich das Amt des Prokurators der Benediktinerklöster der Kongregation von St. Ottilien. In dieser Funktion betreute ich Projekte der Klöster weltweit. Ich kehrte erst 2018 endgültig in die Abtei Münsterschwarzach zurück, wo mich bereits ein neuer Aufgabenbereich erwartete: Der Vier-Türme-Verlag. Da mein Mitbruder Br. Linus aus gesundheitlichen Gründen die Verlagsleitung abgab, wurde ich gebeten, diese zu übernehmen.

"Arzt mit anderen Mitteln sein"

CK: Verlagsleiter und Arzt – zwei ziemlich unterschiedliche Berufsfelder. Wie passen beide denn zusammen?

Br. Ansgar: Als Arzt war es immer mein Anliegen, Menschen dort beizustehen, wo sie es allein nicht mehr schaffen. Das gelingt aber oft nur, wenn sie auch bereit sind, Hilfe zu empfangen, die Therapie zu wagen. Und genau dieser Ansatz findet sich in unseren Büchern wieder: Sie bieten christlich-orientierte Lebenshilfe an und setzen dabei aber auch Eigeninitiative voraus. Denn der Leser muss erst einmal das Buch lesen wollen, bevor er sich mit dem Inhalt auseinandersetzt. Daher kann ich gerade als Leiter des Vier-Türme-Verlags Arzt mit anderen Mitteln sein.

Abgesehen davon, bin ich auch richtiggehend süchtig nach Büchern. Wenn ich länger als drei Tage kein Buch in der Hand habe, bekomme ich Entzugserscheinungen. Bücher bringen meine Seele ins Gleichgewicht. Diese Bücherliebe passt natürlich auch hervorragend in die benediktinische Mönchstradition, die ganz eng mit der Buchkultur verbunden ist.

Zudem habe ich großes Glück: Br. Linus und ich sind seit Jahren eng miteinander befreundet. Jetzt steht er mir mit Rat und Tat zur Seite, weshalb ich bereits viel über das Verlagswesen weiß und den Betrieb in seinem Sinn weiterführen kann. So gestaltet sich der Übergang für alle, auch für meine Mitarbeiter, leichter.

CK: Mit dem Jahreswechsel stehen wieder viele neue Projekte im Vier-Türme-Verlag an, worauf freuen Sie sich denn besonders?

Br. Ansgar: Bisher habe ich Verlage nur als Endverbraucher, als Leser erlebt. Jetzt lerne ich die Herstellung und Entstehung von Büchern, aber vor allem auch die Menschen dahinter kennen. In diese Verlagswelt einzutauchen, finde ich ungemein spannend.

Und dann ist da natürlich unser neues Frühjahrsprogramm: Ich finde es faszinierend, wie viele Facetten in unserem Verlag zur Sprache kommen. Vom Fasten über Vertrauen im Zusammenleben hin zu Gebeten und Meditationen. Ich freue mich darauf, die Erfahrungen unserer Lebensweise als Mönche durch unsere Bücher mit den Menschen zu teilen. Denn ich bin überzeugt, dass unser gemeinschaftliches Leben im Kloster der Gesellschaft von Heute wertvolle Impulse geben kann.

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