Gabriele Ziegler

Edith Stein - Suchend, wachsam und entschieden

8,99 € *
115 Seiten, broschiert, 10,2 x 18,5 cm, Münsterschwarzacher Kleinschriften Band 199 , ISBN 978-3-89680-599-7
Zum 75. Todestag von Edith Stein

Edith Stein gilt als eine herausragende Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts und ist für viele Menschen ein Vorbild. Als Jüdin geboren konvertierte sie zum Christentum und trat als Schwester Teresia Benedicta vom Kreuz in den Orden der Unbeschuhten Karmelitinnen ein. Edith Stein wandte sich an Papst Pius XI., um gegen die Judenverfolgungen durch die Nationalsozialisten zu demonstrieren. 1942 wurde sie im KZ Auschwitz ermordet.

Gabriele Ziegler widmet sich nicht nur der Ordensschwester und Heiligen, sondern besonders dem Menschen Edith Stein und sieht in deren Engagement und ihrer Aufrichtigkeit ein Vorbild für den Menschen von heute.  

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Suche und Wunden der Kindheit und Jugend Edith Steins

Mitten in einer immer bedrohlicheren Welt lebt Edith Stein als junge Frau voller suchender Fragen. Von Kindheit an nimmt sie auf, was um sie herum geschieht, in der Familie, in der Schule und später in der Wissenschaft, im Staat, in den Menschen, denen sie begegnet.

An der Mutter ablesen – Innerlich verarbeiten

Edith Stein ist die Jüngste unter sieben Kindern. Der Vater, zunächst Holzhändler in der Firma seiner Mutter, geht wegen eines betrügerischen Geschäftsführers mit seiner Familie nach Lublinitz in Oberschlesien. Da dort die Geschäfte ebenfalls nicht gut laufen, ziehen sie nach Breslau um, wo Edith geboren wird. Schwere Sorgen ums Durchkommen bleiben auch da nicht aus. Mit eindreiviertel Jahren verliert Edith ihren Vater. Er stirbt auf einer Geschäftsreise. Die Mutter muss nun das Geschäft führen und kann es so gut, dass die Familie zu Wohlstand kommt.

Auffallend im Bericht Edith Steins ist zweierlei: Die Familie findet immer wieder Helfer, die ihnen, die jetzt ohne Mann und Vater auskommen müssen, zur Seite stehen. Und Frau Stein ist nicht nur tüchtig, sondern auch großzügig. So kauft sie zum Beispiel Waldbestände auf, um armen Leuten im Winter Brennholz schenken zu können. Wir dürfen davon ausgehen, dass beides in ihrem Glauben, der Thora und den Weisungen der Rabbinen, gründete. Sie hielt sich an die Gebote Gottes und die jüdische Liturgie des Sabbats sowie der anderen Festbräuche.

Für ihre Kinder hat sie kein besonderes Erziehungsprogramm. Durch ihr Beispiel prägt sie. Edith Stein schreibt: »Wir Kinder lasen vom Vorbild der Mutter wie von einem Tugendspiegel das richtige Verhalten ab [...] Wenn die Mutter sagte: ›Das ist Sünde‹, so wussten alle, dass sie damit den Inbegriff des Hässlichen und Menschenunwürdigen bezeichnen wollte.«

Edith nimmt intensiv die Begabungen, aber auch die Konflikte ihrer großen Familie auf und verarbeitet für sich allein, nach innen. Das führt dazu, dass sie als starrköpfig bis nervös gilt. So sehr sie ihre Mutter achtet, sie ist nicht ihre Vertraute, auch sonst niemand. Sie macht »für den äußeren Betrachter unbegreifliche, sprunghafte Umwandlungen durch«. Sie ist unbezähmbar und tobt, wenn etwas gegen ihren Willen geht.

»In meinem Innern gab es noch eine andere Welt« berichtet sie. Tage- und nächtelang beschäftigt sie, was sie wahrnimmt, sei es ein Betrunkener oder ein Schimpfwort. Sie redet nicht darüber. Die Reizüberflutung führt zu Fieberschüben, in denen dann aus ihr herausbricht, was sie umtreibt. Mit sieben Jahren dann wird sie »ein leicht lenkbares Kind«, das sich völlig der Mutter und älteren Schwester Frieda unterordnet. Extrem selbstbeherrscht, voller Scham für kleinste Ungezogenheiten, scheint sie sich selbst Gefühle verboten zu haben und benimmt sich so, wie es Erwachsene erwarten. (...)

 
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