Marion Küstenmacher

Der Purpurtaucher - Vom inneren Wachsen mit Bildern der Mystik

17,99 € *
160 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, 14,5 x 22 cm, ISBN 978-3-89680-951-3
Hinabtauchen in die Tiefen des Geistes...

Inhalt
1 Der Purpurtaucher
2 Die innere Fackel
3 Der aufgehobene Stein
4 Der eingewickelte Gott
5 Das freigelassene Schaf
6 Der liebliche Platz 
7 Die unheilige Kuh
8 Der tote Handschuh
9 Der Jagdhund des Himmels
10 Die einzige Geste

Mystik ist die abenteuerliche Tiefseereise unseres Bewusstseins zu seiner innersten Quelle, dem göttlichen Urgrund aller Erscheinungen. Marion Küstenmacher hat dafür aus dem Weisheitsschatz der Mystik leuchtende und inspirierende Seelenbilder gehoben und auf originelle Weise mit moderner Psychologie, Kunst und integraler Philosophie verknüpft.

Herausgekommen ist ein unterhaltsames, praxisnahes Buch einer ausgewiesenen Mystik-Kennerin, das durch ökumenische Weite und interreligiöse Perspektive überzeugt. Am Ende jedes Kapitels finden sich zahlreiche neue, kreative Bewusstseinsübungen, mit deren Hilfe man die Erkenntnisse von Mystikerinnen und Mystikern aus 2000 Jahren für sich selbst ausprobieren kann.

 

Aus Kapitel 1:

"Kein Mystiker ist jemals fertig vom Himmel gefallen. Mystiker wird man auch nicht automatisch durch ein außergewöhnliches spirituel¬les Erlebnis. Mystiker sind Menschen, die sich allesamt dadurch auszeichnen, dass sie auf der Suche nach Gott irgendwann anfingen, ihren Geist regelmäßig auf die verschiedenen Bewusstseinszustände in ihrem Inneren zu richten – und dabei fündig wurden. Beharrlich und teilweise gegen viele innere wie äußere Widerstände folgten sie ihrem tiefsten Wesen, das ihnen den Weg wies. Dieser Weg führt einen spi¬rituellen Sucher ebenso in die Tiefen und Untiefen seines eigenen Bewusstseins wie in die unergründliche Tiefe Gottes, den Urgrund aller Wirklichkeit.
»Der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit«, schreibt Paulus (1 Kor 2,10). Der alte Begriff »Versenkung« für Kontemplation verdeutlicht das sehr schön. Er bedeutet ursprünglich »sich sinken lassen« und ist aktiv und passiv zugleich. Mein Lieblingsbild für die mystische Suche ist darum das eines Tauchers, der sich ins Meer sinken lässt, um in der Tiefe so lange nach Schätzen zu tauchen, bis er schließlich begreift, dass der größte Schatz das Meer selbst ist, in dem er sich längst befindet.

Nach der Purpurschnecke tauchen

Die alten Griechen hatten einen plastischen Begriff für diese mutige Suchbewegung: das Verb καλχαίνω, kalchaino. Es bedeutete ursprünglich »Pur-pur erzeugen« und stand bildlich für verzehrende Sehnsucht, für dunkel aufgewühlte stürmische See und für den Tauchgang in die Tiefe des Meeres, auf dessen Grund mutige Taucher nach der kostbaren Purpurschnecke suchen. Purpur ist seit der Antike der exquisiteste Farbstoff der Welt. Man muss zehntausend Purpurschnecken vom Meeresgrund holen, um den Farbstoff für das Färben eines einzigen Kilos Wolle gewinnen zu können. Noch heute ist echter Purpur etwa 300-mal so teuer wie Gold, ein einziges Gramm reiner Purpur kostet weit über 2000 Euro. Der nach einem komplizierten Ausscheidungsprozess gewonnene Farbstoff hat anfangs keineswegs die spektakuläre Purpurfarbe, sondern ist milchig-weiß bis blassgelb. Erst durch eine Enzymreaktion während der Einwirkung von Luft und Licht erfährt er seine wundersame Transformation. Der Farbprozess läuft von Gelb nach Hellgrün, zu Dunkelgrün und Blau, bis er schließlich bei Purpurrot oder Tiefviolett endet.
Da der Farbstoff so teuer war, waren Jahrhunderte lang nur die Gewänder hoher Herrscher und geistlicher Würdenträger purpurn. Hohepries¬ter, Kardinäle, der Papst oder jüdische Oberrabbiner trugen das seltene Purpur und verliehen der Farbe eine exquisite geistliche Symbolik. Auch die Toga der römischen Kaiser war purpurn. Junge Könige trugen einen in grünem Purpur eingefärbten Mantel, der sich erst im Lauf der Zeit durch Licht- und Lufteinwirkung in das würdevolle Purpurrot verwandelte. So vollzog der Mantel symbolisch vor aller Augen die allmähliche Wandlung seines Trägers von einem unreifen Anfänger, der noch grün hinter den Ohren war, zu einem reifen, erfahrenen und selbstbewussten Herrscher, der aus eigener Autorität von innen heraus sprechen und handeln konnte. Weil der Grundstoff für Purpur aus der geheimen Tiefe des Meeres kommt und erst Himmelslicht und Luft die endgültige Farbe erzeugen, wurde Purpur auch als Farbe des schöpferischen GEISTES (ich schreibe hier im Buch das Wort GEIST immer groß, um damit die göttliche Fülle des unendlichen Bewusstseins auszudrücken, die klassisch auch mit HEILIGEM GEIST bezeichnet wird) betrachtet – Gottes Atem selbst hatte beim Färben mitgewirkt.
Wir können das Wort kalchaino also auch in ganz spirituellem Sinn benutzen, um auszudrücken, dass wir bereit sind, unermüdlich in unsere eigene Tiefe hinabzutauchen, das verborgene Purpurmeer des GEISTES von innen her zu erforschen und uns ganz von ihm »einfärben« zu lassen. Aber wie gelangen wir in dieses Purpurmeer des GEISTES? Indem wir uns wie die Mystiker ganz und gar für den gegenwärtigen Augenblick öffnen. Henri Boulad, ein ägyptisch-libanesischer Mystiker, fand dafür folgende Worte: »Man sollte lernen, in die Gegenwart einzutauchen wie ein Taucher ins Meer, vollständig. Mit Leib und Seele sollen wir uns in dieses Hier und Jetzt versenken und alles an die Gegenwart hingeben ... Das Jetzt offenbart mir diese Fülle, ihm muss ich mich zuwenden und öffnen.«

 

Durchschnittliche Kundenbewertung:
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(aus 2 Kundenbewertungen)
 
 
Von: Johannes Schleicher, Dipl. Theologe, Bildungsleiter 2015-10-22 11:37:11
Gespannt war ich, nachdem ich die Überschrift „Der Purpurtaucher“ gesehen hatte, neugierig wurde ich durch den Untertitel „Vom inneren Wachsen mit Bildern der Mystik“.
Beides hat sich – ich nehme es vorweg – nach dem Lesen des Buches gelohnt: Meine Spannung und meine Neugier, denn ich habe es in einem Rutsch quasi „verschlungen“.
Was ist mir dabei begegnet? Phantastische – nicht alltägliche – Bilder, die mystische Erfahrungen und Themen beschreiben, bekannte und – spannender – unbekannte MystikerInnen sowie Stichworte, die mir mystisches Denken und Empfinden noch näher brachte als es ohnehin schon ist.
Beispiele? Einige Bilder: eigentlich alle 10 Überschriften, für mich besonders eindrücklich: „Der aufgehobene Stein“, „der liebliche Platz“, „die unheilige Kuh“ (mit überraschenden kirchenpolitischen Aktualitäten) und – vor allem – „der tote Handschuh“.
Einige MystikerInnen: Natürlich Meister Eckart und Teresa von Avila, aber auch Hans Engelbrecht (Tuchmachergeselle im 17.Jh.) und – lobenswerterweise im interreligiösen Kontext – der Rabbi Pinchas von Koretz (18.Jh) und der Gründer des Mevlevi-Ordens: Rumi (13.Jh.). Daneben erfrischend viele Mystikerinnen und Nicht – Theologen!
Mystische Erfahrungen: Lichterlebnis, Vereinsamung, Zuwendung, Fliessen, Leere, Fülle und viele mehr.
Dabei erweist sich Marion Küstenmacher mit ihren leicht zu verstehenden und in der Praxis erprobten Übungen zur Vertiefung buchstäblich als „spirituelle Hebamme“, die – lässt man sich auf sie ein – wirklich dazu beitragen kann, dass die Leserinnen und Leser in ihr kostbares Inneres, ihren „Purpur“ – hineintauchen können.
Fazit: Ein Buch, das ich mich sehr bereichert hat und dem ich von Herzen eine weite Verbreitung wünsche.


 
Von: Vinzens Köchli 2015-09-12 14:15:48
Gedanken eines 86 jährigen Lesers, der schon einiges in dieser Richtung gelesen hat Das
Buch ist vom Besten, das ich in den letzten Jahren, zu diesem Thema gesehen habe. kompetent und spannend geschrieben. Ein Buch das man immer wieder zur Hand nimmt. Zum Einen, für Suchende die vertiefte, mystische, Erfahrung suchen, ist es eine grosse Hilfe.
Zum Andern, fühlt man die Hoffnung der Autorin, dass der Leser selbst, über den ethischen, spirituellen, Weg und das Ziel, das uns Christus gelehrt hat, nachdenkt und sich die Frage stellt, ob unsere "christliche" Gesellschaft dieser Lehre gerecht wird. Zwei Kapitel sprechen mich, nebst allen Andern, besonders an. Es sind dies "Die unheilige Kuh" und "Die letzte Geste". Zwei herausragende Fixpunkte.

 
 
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