Positive Gottesbilder vermitteln
Viele der Menschen, denen andere (geistig) anvertraut sind, sind sich selbst oft nicht darüber im Klaren, wie viel davon abhängt, welches Gottes- und damit auch Menschenbild sie lehren und vorleben. Aus der eigenen Ungeklärtheit ihres Gottesbildes und ihres Glaubens heraus werden sie so zu „Gottestätern“.
In diesem Buch zeigt Pater Meinrad Dufner, worauf es ankommt, damit Menschen sich in der Glaubensvermittlung und geistlichen Leitung, als Eltern, Lehrer, Seelsorger, nicht zu „Herren über den Glauben anderer“ machen und die Grenzen und Gefährdungen ihres Berufes, ihrer Rollen erkennen.
Ein menschenfreundliches Gottesbild, wie es die Bibel lehrt, kann eine Art „Schutzimpfung“ sein oder zum Prüfstein werden für Menschen in geistlichen und seelsorglichen Berufen, um Missbrauch zu verhindern.
Aus dem Kapitel „Gottestäter – Herren des Glaubens“:
In allen Bereichen des menschlichen Lebens gibt es
psychische Übergriffigkeit und Grenzverletzungen. Daher lässt sich auch von
Gottestätern sprechen: Menschen, die auf irgendeine Weise die Gottesbotschaft
als Keule der Übergriffigkeit oder zum Machtmissbrauch über anderes Leben
verwenden. So richtet sich diese Schrift an alle, die predigen, die
Gottesdienste leiten oder persönliche Begleitung anbieten, an alle, die im
pastoralen Dienst tätig sind, und an Eltern. Gerne würde ich auch diejenigen
ansprechen, die sich selbst für die einzigen Rechtgläubigen und
Gottwohlgefälligen halten, die nur das Ihrige in der Gottesbeziehung gelten
lassen – zur selbstkritischen Betrachtung. Dieses Buch versteht sich als ein
Beitrag zur Prävention, zur Vorbeugung, damit im Bereich der
Glaubensvermittlung alles unterbleibt, was jemanden zum »Herren über den
Glauben« (2 Kor 1,24) anderer werden lassen könnte.
Aus dem Kapitel „Gebet ist Beziehung“:
Im Christentum gibt es einen reichen Schatz an sogenannten
Gebetstraditionen, Gebetsmethoden oder Gotteszugängen. Es scheint mir wichtig,
dass alle diese Weisen vorgestellt, gezeigt und ausprobiert werden. Doch die Versuchung,
eine davon zur doktrinären Alleingültigkeit zu erheben, ist groß. Dieser
Versuchung ist man in der Frömmigkeitsgeschichte immer wieder erlegen. Da hieß
es dann: Wer nicht so oder so zur Messe geht, ist kein guter Christ. Man muss
täglich soundso viele Rosenkränze beten (…)
Aber: Ein solcher Quantitätsmaßstab taugt in diesem bereich
nichts. Es geht hier um die Qualität der Beziehung, nicht um die Quantität der
Gebete. Aus einer solchen Haltung heraus entstanden dann jene Vergewaltigungen
zur Frömmigkeit, die einige vielleicht sogar noch aus eigenem Erleben kennen.