Hintergrundanalyse zur Aufklärungsarbeit von sexuellem Missbrauch in der Kirche
Die Frage „Wie kann es weitergehen?“ stellen sich nach einem Missbrauch nicht nur Opfer, sondern auch Therapeuten zusammen mit den Tätern und Leitungsverantwortlichen in Kirche und Gesellschaft.
Welche Konsequenzen können sie aus den Vorfällen ziehen und wie die tiefer liegenden Ursachen in den Blick nehmen? Wie kann der Opferschutz in den Vordergrund gestellt und zukünftig transparent bei Vorkommnissen gehandelt werden?
Der zweite Band zu „Aus dem Dunkel ans Licht“ soll eine Hilfestellung geben, diese Fragen zu beantworten. Er soll als nächster Schritt zur Aufklärung und Hintergrundanalyse dienen und weitere Fälle verhindern.
Seelsorger und Psychotherapeuten, Kirchenrechtler und Juristen nehmen eine Standortbestimmung vor und zeigen die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels auf.
Aus dem Kapitel „Sich der Wirklichkeit und Wahrheit stellen:
Wie geht es weiter mit den Tätern?“:
Vergehen – welcher Art auch immer – können schwer auf einem
Menschen lasten. Das gilt im Besonderen für Vergehen an anderen Menschen. Die
Tabuisierung sexueller Übergriffe hat zwar die Täter geschützt, aber Heilung
weitgehend verhindert. Ich bin vielen Tätern begegnet, die trotz allem
belastenden dankbar waren, dass die Situation endlich geklärt werden konnte,
denn erst jetzt können sie, soweit das möglich ist Genugtuung leisten und nicht
selten sogar Versöhnung erfahren. (…)
Immer wieder begegnet mir die Frage, wie es denn für einen
Priester, der Minderjährige missbraucht, möglich ist, mit dieser Wahrheit zu
leben. Eine erste Antwort darauf könnte sein: Diese Männer, die häufig ein
völlig überhöhtes und idealisiertes Bild von sich haben, gestehen sich selbst
gegenüber diese bittere Wahrheit nicht ein (…).
Aus dem Kapitel „Vom Schutz des Klerikerstandes zum Schutz
der Geringsten: Die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels“:
Die Bestandsaufnahme machte deutlich: Wenn die
Kirchenleitungen sicht nicht weiterhin aktiv mit den anstehenden Fragen und
Themen beschäftigen, ist die Gefahr groß, dass der Vorschub an Vertrauen, den
sie momentan durch ihre Maßnahmen, die vor allem in Leitlinien und so weiter
erfolgten, genießen, sehr rasch verloren gehen könnte. Eine zweite Krise, die
sich dann allerdings nicht auf das Verhalten der Kleriker, sondern auf das der
Kirchenleitungen beziehen wird, hätte immense Folgen (…).